Und was kommt Morgen?
Ich hatte heute Spätdienst mit einer unserer Altenpflegeschülerinnen.
Leider war es mal wieder so der Fall, dass wir keine Präsenzkraft auf dem Wohnbereich hatten. Dazu kammen dann noch Notfälle und eine Arztvisite.
Das Telefon klingelte auch ohne unterlass und meine Dokumentation machte ich heute bis 21.10 Uhr, da ich vorher nicht dazu kam.
Ich beginne mal von Anfang an, was so los war:
RTW & Notarzt die 1 Klappe:
Als ich um 12.40 Uhr auf dem Wohnbereich kam, diskutierten gerade die KollegInnen, was sie mit einer Bewohnerin machen sollen. Da es meine Bezugspflege war, ließ ich mir kurz berichten, was los war.
Bewohnerin X war zum Mittag in den Rollstuhl mobilisiert worden. Dazu muss man sagen, dass sie übers Wochenende hauptsächlich im Bett lag und Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr sehr gering waren.
Gestern war sie relativ fit, war auch mobilisiert und hat am Tisch gegessen und auch getrunken.
Heute Mittag dann kippte der Zustand schlagartig um.
Man berichtete mir folgendes:
X ist nicht mehr ansprechbar, die Atmung ist vorhanden aber sehr erschwert, der Blutdruck ist 100/50, Puls bei 100`arrhytmisch (unregelmässig), die Pupillen sind verkleinert und starr.
Klarer Fall sagte ich, 112 wenn Notärztlicher Dienst und Hausärztin nicht zu erreichen sind. Die Wohnbereichsleitung machte dann den Notruf.
Ca. 12.53 Uhr war der RTW da, der Notarzt kam aus Elmshorn und war 12.57 Uhr anwesend.
Bewohnerin X wurde ans EKG angeschlossen, die Vitalzeichen überwacht und bekam einen i.v. Zugang mit 500ml Ringerlactat angehängt.
Inzwischen war die Bewohnerin wieder ansprechbar, wollte nur nicht antworten, wenn der Notarzt was fragte.
Nach ca. 5- 10 Minuten rückte das RTW Team ab und der Notarzt verblieb noch mit seinem Rettungsassistenten weitere 5- 10 Minuten bei der Bewohnerin. Nach dem er mit der Tochter telefoniert hatte, verblieb die Bewohnerin in unserer Obhut. Wir bekamen dank M. noch eine weitere Flasche Ringerlactat.
Notarzt: "eine engmaschige Vitalzeichenkontrolle ist hier nicht möglich?"
Ich: "Nein, jedoch werden wir die Bewohnerin gut im Auge behalten und unser bestes geben!"
Notarzt: "Mit einer i.v. Infusion könnt ihr hier nichts anfangen?"
Ich: "Doch, wir dürfen überwachen, wechseln und ziehen nur nicht legen!"
Notarzt: "Habt Ihr Ringerlösung hier?"
Ich: "Leider nein, eine weitere Flasche, langsam gestellt könnte X doch nicht schaden, oder?"
Notarzt: "Aber bitte nicht reinjagen, sonst entgleist der Elektrolythaushalt!"
Ich: "Natürlich nicht und Danke!"
Dann ging es ans Kaffe eindecken, was R. übernahm - Danke, Du warst wieder mal meine Rettung
!
Ein paar Bewohner mobilisiert, RR Kontrollen durchgeführt, natürlich auch bei Bewohnerin X
.
Bewohnerin Y ging es auch nicht gut, der AZ war seit gestern wieder weiter runter gegangen. Sie äusserte bei Beobachtung Schluck- und Atembeschwerden bei bekannten Diagnosen.
Auch hier kontrollierte ich den RR und hing schon am Nachmittag 750 ml abgekochtes Wasser an die PEG.
Am Abend war ihr AZ etwas gebessert, doch leider wird sie trotzdem zum abklären morgen ins KH verlegt.
RTW & Notarzt die 2 Klappe:
16.50 Uhr, ich wollte der Altenpflegeschülerin A. bei der Ganzkörperwaschung anleiten, kam ein Telefonat vom anderen WB, von einer Pflegehelferin:
"Bitte komme schnell hoch, Frau K. krampft!"
A. rief ich noch zu ich muss hoch und schon war ich auf dem anderen WB.
Als ich ins Zimmer kam, krampfte die Bewohnerin im Rollstuhl sitzend schon mindestens 3 Minuten, während ich den Notruf absetze krampft sie weitere 2-3 Minuten. Ein Angehöriger ist dabei und hält vorsichtig den Kopf.
Als der Krampf etwas nach ließ, bat ich die Pflegehelferin um ein Blutdruckmessgerät. Sie nahm den Vitalwert während ich ins Dienstzimmer bin und Überleitungsbogen und medizinische Daten für den Notarzt ausdruckte.
Als ich fertig war, kammen zwei RTW und eine Notarztwagenbesatzung.
Der Notarzt sieht das Tracheostoma und fragt "liegt ein MRSA Screening vor?"
Nein, ist uns nicht bekannt,antworte ich etwas erstaunt.
Notarzt: "Ist sie wie immer?"
Ich: "Nein, sie ist nicht wach und reagiert nicht auf Ansprache, dass macht sie sonst. Klar sie ist jetzt erschöpft von dem Krampf. Doch es ist anders."
Blöd, wenn man sich nicht ausdrücken kann, ich hätte mir selbst in den Po dafür beissen mögen
.
Zum Glück ist auch dem einen Rettungsassistenten aufgefallen, dass da was nicht stimmt.
Also mit dem Rollstuhl an die Trage ran und rauf gelegt.
Der Angehörige ist im Auto hinter her und berichtete dann telefonisch, dass sie sich im RTW noch übergeben hätte und auch noch mal gekrampft hätte.
Habe ich also falsch gehandelt, lieber Neurologe aus dem Ort?
Neurologe: "Bei einem kleinen Krampfanfall von 3 Minuten müssen sie doch nicht gleich einweisen lassen!"
Ich: "Der Krampf ging länger als 5 Minuten und passierte im sitzen und bei der Bewohnerin gab es bislang nur einen Krampf im letzten Jahr und seit dem nicht mehr. Ich kann es nicht verantworten, dass sie in ihrem Zimmer erneut krampft und das unbeobachtet, da die Kollegin alleine auf dem WB ist."
Neurologe: "Naja, da haben sie dann wohl recht. Wie gesagt...... bla...bla.."
Wir sind auf unseren beiden Wohnbereichen schon sehr bedacht, wenn wir einen RTW oder auch Notarzt rufen. Wenn wir uns aber nicht sicher sind und die Verantwortung nicht mehr tragen können, dann ist das ja wohl die bessere Lösung.
Wir haben auch nichts dagegen, wenn die Bewohner dann dableiben, nach dem sie stabilisiert wurden, aber wir sind auch verpflichtet zu handeln.
Wir haben einen Verantwortungsvollen Beruf und diese Verantwortung muss man ernst nehmen.
Ich gehe jetzt ins Bett und hoffe, dass der morgige Frühdienst nicht so "aufregend" wird
.
Gute Nacht!
LG die Blutgräfin